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Tragus - Ohrknorpel
In diesem Bereich geht es um
das Piercen des Ohrknorpels, speziell des Tragus, dem kleinen Ohrknorpel
direkt vor dem Gehörgang.
Leider wird dieses Piercing immer noch von Unverantwortlichen mit der
Ohrlochpistole ausgeführt. Das hat den Gepiercten in den letzten Jahren
manche unangenehme Stunde und vielleicht sogar Virusinfektionen eingebracht.
Die Piercing-Pistole, die erfunden wurde, um Kuhohren zu markieren, besteht
in ihrem Inneren aus Plastik oder metallverkleidetem Plastik und kann daher
nicht sterilisiert werden, denn die hohen Temperaturen im Autoklav verträgt
das Material nicht. Das Gerät ist daher der ideale Keimverbreiter. Ihr
solltet euch vor Augen halten, daß eine gefährliche Infektion durch die
Pistole möglich ist. |
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Schmerzhafte Entzündungen und Komplikationen
beim Heilungsprozeß (wie das aussieht, könnt ihr in der Ausgabe 9/98 sehen)
sind weitere Gründe, dieses Gerät zu meiden. Beim Durchstoßen des Körpers
mit der Pistole bleiben zermatschte Gewebereste zurück und werden an die
Seite des oftmals stark ausgefransten Stichkanals gedrückt. Eine optimale
Brutstätte für Entzündungen verursachende Erreger. Durch die Ablagerung der
zerschossenen Körperreste kann sich nur sehr schwer neue, gut verheilende
Haut im Stichkanal bilden. Oftmals werden die entsprechenden Stellen nach
langer Zeit abgekapselt und bilden einen Knorpel, der für immer im Körper
zurückbleibt.
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Der Ohrknorpel gehört zu den härtesten des Körpers, ist aber
gleichzeitig eine heikle Stelle was Wundheilung betrifft. Kommt es zu
Entzündungen oder anderen Komplikationen, können diese, wegen der
speziellen Beschaffenheit des Ohrgewebes, nur schwer bekämpft werden.
Schmutz bleibt länger in der Wunde und Heilmittel werden, egal ob innen
oder außen aufgetragen, sehr schlecht zur Wunde transportiert. Ist der
Ohrknorpel erstmal zerstört, regeneriert er sich nicht mehr, sondern es
kommt zum gefürchteten Blumenkohlohr. Zusätzlich ist der Ohrknorpel eine
der riskantesten Stellen des Körpers, denn in seiner Nähe verläuft am
Schädel eine der Hauptnervenbahnen zum Gehirn. Bei einer Entzündung,
könnte diese theoretisch auf diese Nervenbahnen übergreifen und im
extremsten Fall sogar zu einer Hirnhautentzündung führen.
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Natürlich gibt es nicht wenige Leser, die Glück hatten, bei denen
vielleicht alle durchschossenen Knorpel relativ gut und schnell verheilt
sind. Vielleicht hat der eine oder andere sogar schon eine Heptatitis C
Untersuchung hinter sich und erfahren, daß er sich diese schlimme
Krankheit nicht zugezogen hat. Dieser Umstand rechtfertig es jedoch nicht,
das Glück auch in Zukunft immer wieder herauszufordern. Wird aber sauber
und mit den richtigen Materialien gearbeitet, ist das Risiko einer
Komplikation beim Ohrknorpelpiercing verschwindend gering. Auch beim
Tragus.
Allerdings kann der Tragus bei einer wirklich heftigen Entzündung zerstört
werden und seine Tragfähigkeit verlieren. Das bedeutet, daß man dann
sozusagen ein zweites Ohrläppchen an der Seite des Kopfes hängen hat. Auch
dies ist eine seltene Ausnahme.
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Die vollständige Neubildung der Haut im Stichkanal nimmt jedoch eine
vergleichsweise lange Abheilzeit von bis zu neun Monaten in Anspruch. Was
bedeutet, daß in dieser Zeit das Piercing stets gründlich gereinigt und
vor allem beim Haarewaschen darauf geachtet werden muß, daß keine
schädlichen Stoffe in den Wundkanal eindringen.
Abgesehen von der teilweise etwas langen Abheilzeit gehört der Tragus
nicht nur zu den schönsten, sondern auch zu den schmerzhaftesten Stichen.
Vergleichsweise schmerzhaft, schiebe ich nach, denn Schmerz ist ein
subjektives Erlebnis. Dadurch, daß sich hinter dem Tragus stets Gewebe in
Form der Ohrmuschel befindet, kann man auf keinen Fall einen dynamischen
Stich ausführen, wie bei den meisten anderen Piercings. Erst im Verlauf
des Stiches merkt der Piercer, wie dicht der ohnehin schon sehr dicke
Knorpel aufgebaut ist und mit
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welcher Kraft er vorgehen muß, ohne die dahinter liegende Ohrmuschel zu
verletzen. Generell gilt die Faustregel: je länger ein Stich dauert, umso
mehr Schmerz verspürt man.
Wer sich für ein Tragus-Piercing entscheidet, sollte also zum
professionellen Piercer gehen und auf jeden Fall einen großen Bogen um
jede Ohrlochpistole machen.
Zur letzten Folge mit dem Thema »Tragus« bleibt noch nachzutragen, daß
sämtliche im Bericht angesprochenen Gefahren und Komplikationen natürlich
genauso für die restlichen Stiche durch den Ohrknorpel zutreffen. Dieser
Teil des Körpers ist bei ensprechendem Sachverstand und sauberer Arbeit
gut zu piercen. Wichtig ist hier natürlich auch der Einsatz des richtigen
Schmucks und die Mithilfe des Kunden.
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Der Kunde kann den Heilungsprozeß so optimal wie möglich unterstützen,
indem er sich exakt an die Pflegehinweise eines erfahrenen Piercingstudios
hält. Er sollte auf gar keinen Fall zu obskuren Hausmittelchen greifen,
die bei einer Freundin eventuell geholfen haben, und vor allem den
Stichkanal nicht »überpflegen«. Ein häufig zu beobachtendes Phänomen.
Sollte es doch zu einer Entzündung kommen, ist der Schmuck auf keinen Fall
selbst zu entfernen, sondern es sollte sofort ein Studio aufgesucht
werden.
Bis die Haut im Knorpelbereich so stabil ist, daß nichts mehr passieren
kann, dauert es in der Regel drei bis sechs Monate - es zählt also zu den
langsam heilenden Piercings.
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Der Gefahr einer Ohrknorpelerweichung (nicht reversibel, da sich einmal
zerstörter Knorpel nicht mehr aufbaut) sollte man sich immer bewußt sein.
Piercings, die nach aller Erfahrung zu Komplikation führen, wie etwa der
»Madison« (Piercing am Halsansatz), »Bridge« (Piercing zwischen den Augen
auf dem Nasenrücken) oder auch das Handpiercing, sollten nicht ausgeführt
werden. Der Ohrknorpel kann prinzipiell trotz der Gefahren überall
gepierct werden, und die verschiedenen Plazierungen sind mit interessanten
Namen wie Rook, Daith usw. versehen.
Eine Problemgruppe stellen in diesem Fall vor allem die Diabetiker dar, da
es bei diesen neben einer schlechten Wundheilung im Ohrlochbereich oft zu
Hautkrankheiten kommt, die sich auf den Heilungsprozeß bremsend auswirken
können.
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Somit hätten wir die Stiche am Ohr praktisch alle abgedeckt. Dazu kommt
noch das Dehnen der Ohrlöcher, zu dem man ein wenig Geduld aufbringen
sollte. In den Staaten gibt es die Technik des »Scalpellings«: mit dem
Skalpell wird eine relativ große Wunde geschnitten, damit direkt ein
großer Dehnring eingesetzt werden kann. Von dieser Technik rate ich ab und
empfehle, nach der altbewährten Methoden mit Dehnungsschmuck oder
Dehnungsnadeln zu arbeiten. Das dauert zwar etwas länger, birgt aber ein
geringeres Gefahrenpotential. Am besten ist es, den Dehnungsvorgang von
einem Piercer ausführen und/oder überwachen zu lassen, da es in dessen
Verlauf bei unsachgemäßer Dehnung zu Verletzungen und Entzündungen kommen
kann.
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Ein wichtiger Punkt, den der Laie im Hinterkopf behalten sollte, ist
der, daß eine sogenannte Ohrlochpistole im Zeitalter von »Hepatitis C«
nicht mehr zur Anwendung kommen sollte. Dadurch, daß die Ohrlochpistole
das Gewebe nicht sauber durchsticht, sondern quasi zerstanzt, und die
zerstörten Gewebereste seitlich in den ausgefransten Stichkanal drückt,
sind Komplikationen und Entzündungen oftmals vorprogrammiert.
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LINKS:
www.weinwelt.eu
www.fitness-center-gar.de
www.salmeri.de
www.studioinferno.de
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